Thema Corona Times

Autor: smartvillage
Veröffentlicht 8. Mai 2020

Die Zukunft des Smartvillage  — ein Kommentar  

Im letz­ten Blog­ar­ti­kel haben wir gezeigt, wie gegen­wär­tig eini­ge unse­rer Bewohner*innen die­se Situa­ti­on meis­tern und neue Ideen in ihre Geschäfts­mo­del­le inte­grie­ren. Aus der Gegen­wart swit­chen wir jetzt in den Zukunfts­mo­dus. Bes­ser gesagt Lukas, einer der bei­den Grün­der und Geschäfts­füh­rer des smart­vil­la­ge. Los geht’s!

 

Zuerst möch­te ich den Rah­men mei­ner Aus­füh­rung abste­cken und damit klar machenwie mei­ne Ideen und Über­le­gun­gen zu ver­ste­hen sindBevor man etwas schreibt, über­legt man natür­lich, ob es rele­vant istMir geht es dabei nicht um Recht oder Unrecht. Viel­mehkön­nen mei­ne Gedan­ken im bes­ten Fall eine ange­reg­te Dis­kus­si­on los­tre­ten, ob und inwie­fern sich der­zeit glo­ba­le Lini­en und Mus­ter ver­schie­ben und sich letzt­lich auf unse­re Bran­che und das smart­vil­la­ge aus­wir­ken. 

Lukas - Gründer und Geschäftsführer des smartvillage - denkt über die Zukunft nach Corona nach!

Mei­ne Mit­ar­bei­ter*innen und Part­ner des smart­vil­la­geaber auch mei­ne Freun­de und Fami­lie fra­gen mich natür­lich der­zeit oftwie es mit mei­ner Fir­ma, dem smart­vil­la­gewei­ter­ge­hen kannAls Work­shop- und Inno­va­ti­ons­cen­ter sind wir voll von der Kri­se betrof­fen und haben seit Mit­te März auf unbe­stimm­te Zeit geschlos­sen. Bei einem Umsatz­aus­fall von 100% habe ich kei­ne bes­se­re Ant­wort als:  “Ich hof­fe, es geht wie­der berg­auf, sobald wir wie­der geöff­net haben!” Ich den­ke posi­tiv. Trotz­dem, was genau pas­siert, weiß nie­mand. Ein Gedan­ken­spiel, wie sich die Lage in Zukunft auf unse­re Bran­chepoten­zi­ell aus­wir­ken könn­te, möch­te ich den­noch mit Euch tei­len: 

 
Das Konzept „Arbeitsplatz im Büro“ hat ausgedient  

Mein Gedan­ken­spiel in die Zukunft wird von zwei Aspek­ten getrie­ben. Dazu zählt einer­seits der plötz­lich not­wen­dig gewor­de­ne Umstieg auf das Home-Office (wie übri­gens nur Deut­sche sagen) oder auf “Remo­te Work” (wie es inter­na­tio­nal heißt) in flä­chen­de­cken­der und nie dage­we­se­ner Grö­ßen­ord­nung, und ande­rer­seits die zuneh­mend stei­gen­den Wert­schät­zung für per­sön­li­che Tref­fen.  Die meis­ten Fir­men geste­hen sich nach eini­gen Wochen im unfrei­wil­li­gen Rea­li­täts­test ein: Das mit dem  Home-Office  funk­tio­niert wohl bes­ser als gedacht!“ Doch funk­tio­niert es viel­leicht sogar zeit­wei­se bes­ser, als tag­täg­lich im Büro zu sein? In unglaub­li­cher Geschwin­dig­keit wird die Digi­ta­li­sie­rung urplötz­lich vor­an­ge­trie­ben. All die Argu­men­te, wie­so das alles zuvor schier unmög­lich warschei­nen wohl vor­ran­gig Aus­re­den und Schutz­me­cha­nis­men gewe­sen zu seinDen Mitarbeiter*innen wur­de nicht aus­rei­chend Eigen­ver­ant­wor­tung und Dis­zi­plin zuge­trautIt’s as easy as that. 

 

Aber wie wir­ken sich die genann­ten Aspek­te in Zukunft auf ein Geschäfts­mo­dell wie das smart­vil­la­ge aus? Einem Ort, der nun mal davon lebt, dass Men­schen zusam­men­kom­men? 


Redundanzen abbauen und auf Effizienz setzen  

Welt­weit ist seit Jah­ren ein Trend in eine fle­xi­ble­re, teils remo­te Arbeits­wei­se zu erken­nen. Die­se wird nach der Kri­se nur ein­fach mas­sen­taug­li­cher sein. Wie­so soll­te ein Unter­neh­men mit 1000 Mit­ar­bei­tern noch 1000 fes­te Arbeits­plät­ze plus 400 Plät­ze in Mee­ting-Räu­men und zusätz­li­che Home-Office Mög­lich­kei­ten vor­hal­ten? Nach der Coro­na-Aus­nah­me­si­tua­ti­on wird uns klar wer­den: In den meis­ten Fir­men scheint eine gro­ße Anzahl an Mit­ar­bei­tern erprob­ter­wei­se aus dem Home-Office arbei­ten zu kön­nenWieso also die Flä­chen-Res­sour­cen dop­pelt und drei­fach vor­hal­ten? Heißt das, dass nie­mand mehr ein Büro und einen Arbeits­platz hat? Nein, dar­an glau­be auch ich nicht. Mein Gedan­ken­spiel setzt auf logi­sche Effi­zi­enz und dar­auf, Red­un­dan­zen abzu­bau­en. 
 

Ich ken­ne drei kon­kre­te Bei­spie­le von gro­ßen Unter­neh­menmit denen wir zusam­men­ar­bei­ten. Die­sehal­ten für jeden ihrer Mit­ar­bei­ter*innen einen Arbeits­platz vorDazu kom­men Kapa­zi­tä­ten für Mee­ting-Räu­me für 80–90 Pro­zent der Leu­te. Täg­lich sind aber nur ca. 50–60 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter am Stand­ortDer Rest befin­det sich auf Kun­denter­mi­nen, Mes­sen und Fort­bil­dun­gen, ist krank, im Urlaub, im Home-Office oder eben bei uns, im smart­vil­la­ge.  Im Umkehr­schluss bedeu­tet das, dass sich jeder Mit­ar­bei­ter vor Ort also gleich­zei­tig an zwei Arbeits­plät­ze set­zen und zusätz­lich dazu zu viert einen Mee­ting­raum für 8 Per­so­nen nut­zen könn­teIn mei­nen Augen ist das unfass­bar inef­fi­zi­ent und die leer­ste­hen­den Flä­chen brin­gen kei­ner­lei Mehr­wert. Kurz: Eine Res­sour­cen­ver­schwen­dung von Geld und Platz!  

Weniger Ressourcen verschwenden   

Sol­len Red­un­dan­zen stark redu­ziert wer­den, kann die Lösung nur ein aus­ba­lan­cier­ter und täg­lich rotie­ren­der Mix sein, bei dem die­se drei Berei­che bei der Arbeits­platz­kon­zep­ti­on berück­sich­tigt wer­den.  Die rele­van­te Kenn­zahist dabei die Sharing-Ratio. Die­ses Ver­hält­nis sagt aus, wie vie­le Mit­ar­bei­ter*innen auf einen Arbeits­platz gerech­net wer­den. Eine Sharing-Ratio von 1:1,25 sagt aus, dass für zehn Mit­ar­bei­ter noch acht Arbeits­plät­ze bereit­ge­hal­ten wer­den. Ich glau­be fest dar­an, dass diese Zahl in vie­len Fir­men auf bis zu 1:1,75 (d.h. 100 Mit­ar­bei­ter haben 25 fes­te Plät­ze im Büro) gestei­gert wer­den kann.  Mein Vor­schlag ist dabeidie Mit­ar­bei­ter an der Erspar­nis durch weni­ger Miet­flä­che im Rah­men von Boni zu incen­ti­vie­ren. 

Die Flexible Arbeitsplatzkonzeption der Zukunft

Ein Rechenbeispiel

Neh­men wir ein Bei­spiel­un­ter­neh­men mit 1000 Mit­ar­bei­tern. Die­ses zieht in ein neu­es Büro und plant dabei nur für 25% der Mit­ar­bei­ter fes­te Arbeits­plät­ze ein. Die  wech­seln­den  75% der Mit­ar­bei­ter, die nicht im Büro sein kön­nentei­len sich  phy­sisch  auf Kun­denter­mi­ne, Mes­sen, und Fort­bil­dun­gen, auf Work­shop­cen­ter wie das smart­vil­la­ge und  auf das Home-Office auf. Damit wür­den in die­sem Bei­spiel (je nach Ort, Art, Aus­stat­tung, Mie­te des Büros) unge­fähr 350–600€ pro Mitarbeiter/Monat zu 75 Pro­zent weg­fal­len.  Dies ent­spricht folg­lich bei 750 ein­ge­spar­ten Arbeits­plät­zen und einem Mit­tel­wert von 500 Euro einer mög­li­chen Erspar­nis von ca. 375.000€  im Monat!  Ein Teil der Erspar­nis soll­te den Mit­ar­bei­tern als Gehalts­zu­schuss und als Home-Office “Kom­pen­sa­ti­on” aus­ge­zahlt wer­den.  Na und was pas­siert mit dem ande­ren Teil der Erspar­nis? Genau dort  kommt das smart­vil­la­ge ins Spiel!

 

Physische Zusammenkünfte werden noch wichtiger

Ich bin fest davon über­zeugt, dass Men­schen phy­sisch mit­ein­an­der arbei­ten müs­sen, um sich zu iden­ti­fi­zie­ren, lang­fris­tig Spaß an der Arbeit zu haben und letzt­lich gut zu per­for­men. Nur müs­sen sie eben nicht jeden Tag  phy­sisch  zusam­men­ar­bei­ten.  Also machen wir einen Bud­get­topf für die­se physi­schen Teamzusam­men­künf­te auf, wel­cher eben für das kol­la­bo­ra­ti­ve Arbei­ten im smart­vil­la­ge oder, soll­te es uns in trau­ri­gen Aus­nah­men ein­mal nicht in Dei­ner Stadt geben, für ande­re Work­shop- und Krea­tiv­cen­ter ein­ge­setzt wird.😊Das Zusam­men­kom­men als Team wird also zu einem Ereig­nis. Und die­se Team­tage im smart­vil­la­ge kön­nen häu­fi­ger statt­fin­den als bis­her, denn die­se wer­den schließ­lich von ein­ge­spar­tem Bud­get bezahlt! Womög­lich könn­te man jeden Mon­tag das inter­ne HR‑Meeting  und jeden zwei­ten Frei­tag das gesam­te Team­mee­ting auf genau die­se Wei­se umset­zen? Die Tage dazwi­schen ver­brin­gen die Mit­ar­bei­ter in einem Mix aus Home-Office, Büro oder sie befin­den sich irgend­wo externDas spart  Fahrt­zeit, Geld, Ver­kehr, CO2 und extrem viel Miet­flä­che! Letzt­end­lich kann das viel­leicht sogar eine effek­ti­ve­re Form des Zusam­men­ar­bei­tens dar­stel­lenEinen Ver­such ist es auf jeden Fall wert.  Ganz im Gedan­ken eines Lean-Busi­ness-Modells wer­den damit die fixen  Assets reduziert, die  Hand­lungs- und Inno­va­tionsgeschwindig­keit des Unter­neh­mens erhöht, die Kapi­tal­ef­fi­zi­enz ver­bes­sert und letzt­lich eine  Arbeits­wei­se und Kul­tur eta­bliertdie zukunfts­fä­hig ist.

 

Die notwendige Krise für die Branche?  

Das alles hät­ten Unter­neh­men doch bereits vor der Kri­se beden­ken kön­nen? Haben sie auch, mit Sicher­heitDoch vie­le Blo­cka­den lassen sich eben erst in Kri­sen­zei­ten über­win­den - zwangs­läu­fig. In mei­nem  Zukunfts­sze­na­rio für das smart­vil­la­ge zeich­net sich abschlie­ßend fol­gen­des Bild ab: Jeder Busi­ness­park und jedes grö­ße­re Büro­ge­bäu­de hat ein smart­vil­la­ge in sei­ner Nähe. Allen Mie­tern die­ser Gebäu­de kann bei ihrer Arbeits­platz­kon­zep­ti­on dadurch ein fle­xi­bles Modell ange­bo­ten wer­den.

 

Ich bin fest davon über­zeugt, dass die­se Zeit, bei allem Leid und Nega­ti­vem was damit ein­her­geht, die not­wen­di­ge Kri­se war, um die bis­he­ri­ge Arbeitsplatzkultur in das 21. Jahr­hun­dert zu brin­gen!

 

Ich kann Ent­schei­dern in Unter­neh­men nur eines mitge­ben — seid jetzt mutig! Nutzt die Chan­cendie einem die­se Kri­se bie­tet und rüs­tet eure Arbeits­platz­struktu­ren für die Zukunft. Traut euren Mitarbeitern*innen zu, sich auch ohne dau­er­haf­te phy­si­sche Prä­senz mit dem Unter­neh­men zu iden­ti­fi­zie­ren und gute Arbeit zu leis­ten. Feh­len­de Iden­ti­fi­ka­ti­on und Leis­tungs­fä­hig­keit lie­gen  selten an einer fle­xi­blen Arbeits­wei­se per se, son­dern viel­mehr an einem feh­lenden Leit­bild und zukunfts­fä­hi­gem Wer­te­sys­temAbschlie­ßend bleibt fol­gen­des fest­zu­hal­ten: Das smart­vil­la­ge ist da, um Fir­men ab jetzt auf die­sem Weg zu unter­stüt­zen!”